Instagram: The beautiful life

In Blog On

„Gestern war ich noch in London.“ sage ich beiläufig „Auf der Fashion Week“

„Ja ich weiss, das habe ich bei Instagram gesehen“. Ich fühle mich kurz schlecht, weil ich finde, dass es irgendwie angeberisch rüberkommt, so „Hey, schau mal was für ein geiles Jetsetter Leben ich führe“. Meistens folgt ein „cool!“, ein wenig kühl, nicht wirklich interessiert. Warum sollte ich Interesse erwarten? Ich führe nunmal zur Zeit ein Leben, das zwar interessant ist, aber auf das man vielleicht auch neidisch werden könnte – oberflächlich betrachtet. Ich fliege durch die Gegend, nächtige in schicken Hotels, die ich mir selbst nie leisten könnte, esse in den besten Restaurants, die von Sterneköchen geführt werden und die Essen als Kunst betrachten und ich brauche mich noch nicht einmal groß zu bewegen, denn es gibt ja Taxen, die mich rumkutschieren.

Und nichts davon zahle ich. Nicht mal um das Programm muss ich mich kümmern.

Es wird organisiert und rumgefahren. Die Hauptsache ist, dass ich mich wohlfühle, von allem nur die Sonnenseite sehe und nichts zu meckern habe. Auch wirklich nicht meckern kann, weil ja alles perfekt ist. Oftmals sogar das Wetter.

Und so lasse ich meine Leser dran teilhaben. An diesem perfekten und glanzvolle Jetset Prinzessinnen Leben. Schliesslich wird der ganze Heckmeck wegen euch veranstaltet. Damit ich etwas zu erzählen habe und damit ihr das lest.

 

Es ist halb 5 und mein Wecker klingelt. Ich war erst um 12 im Bett, nachdem ich gestern Abend noch zwei Stunden nach der Ankunft meinen Koffer gepackt habe und mich vollkommen erschöpft in die Federn gehauen hab. „In 4 Stunden und 35 Minuten klingelt ihr Wecker.“ Ich kann es kaum erwarten.

Er klingelt. „Ich kann nicht mehr“ denke ich und zwinge mich aus den Federn. Mein Freund fährt mich - gottseidank. Zuhause ist Chaos, weil ich es einfach nicht schaffe mein Zeug aufzuräumen. „Wann denn auch?“ Eine Frage, die ich mir in letzter Zeit öfter stelle. Ich steige also über all die Klamotten die auf dem Boden liegen, trete auf etwas drauf, höre ein „knack“ und torkel schlaftrunken ins Bad. Ich habe eine halbe Stunde. Ich mache mich schnell fertig und reisse mich zusammen. Wecke meinen Freund.

Glücklicherweise habe ich nur Handgepäck. Ich gehe schnell durch die Sicherheitskontrollen. „Haben Sie Flüssigkeiten bei sich?“ „Nö“ lüge ich. Er lässt mich durch. Klar hab ich welche dabei, aber ich hatte keine Lust sie in Tüten zu packen und man lässt mich auch so durch. Soviel weiss ich mittlerweile.

Ich setze mich hin. Es ist mittlerweile 6 Uhr. Ich suche nach einer Steckdose und fange an zu arbeiten. Ich würde jetzt am liebsten schlafen, aber ich darf nicht. Also fange ich an, beantworte Emails, die nur Stunden später abgeschickt werden können, bearbeite Bilder, schreibe Texte und mache einfach. Mein Flug hat eine Stunde Verspätung. „Na super“ denke ich mir „wenigstens muss ich nicht am HBF frieren“

Ich fange also an zu tippen. Alle möglichen Menschen sitzen mir im Nacken, fordern, setzen mich unter Druck und ich arbeite. So gut ich eben kann und in den wenigen Stunden wo es möglich ist. Irgendwo unterwegs auf Flughäfen, Taxis oder Nachts zwischen 23 Uhr und 7 Uhr. Denn der Tag ist komplett durchgeplant bis zum späten Abend, doch ein Beitrag postet sich nicht von selbst. Und dafür bin ich schliesslich da.

 

Ich schreibe von diesem wunderschönen Leben, wo man jeden Tag in einer anderen wunderschönen Stadt verbringt. Wo man den Arsch gepudert bekommt und scheinbar nichts dafür zu machen braucht.

Ich schreibe von meinem Leben und es fühlt sich an als würde ich von dem eines anderen schwärmen. Hier mitten am Flughafen.

 

 

Es ist nunmal nicht alles Gold was glänzt.

Ich liebe mein Leben, aber ich merke auch wie ich an meine körperlichen Grenzen gekommen bin.

Wie mir der Alltag fehlt, die Zeit mich mit meinen Freunden zu unterhalten, wie ich Geburtstage vergesse und meine „Gesunde Ernährung und viel Sport“ Philosophie über Bord werfen musste. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ausgeschlafen?

Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Ich bin permanent müde.

Ist es das wirklich wert? Dass ich meine Freunde, meinen Mann, meine Familie und auch mich und meine Gesundheit vernachlässige?

Aber ich habe draus gelernt. Ich habe alle weiteren Reisen abgesagt. Ich werde Zuhause bleiben und mich ausruhen. Werde mein Leben wieder auf die Reihe bekommen und mich um meine Engsten kümmern. Ich werde zwischen jeder Reise Zuhause einige Tage einplanen, damit ich nicht nur nach Hause komme um zu packen und weiterzufliegen. Ich will wieder Sport machen und selbst bestimmen was ich wann esse. Ich will wieder 8 Stunden schlafen. Am Stück und nicht auf 2-3 Tage verteilt. Ich will wieder Zeit für meinen Blog haben. Und für meine Leser.

Ich weiss, das ist Meckern auf hohem Niveau. Ganz hohen Niveau, aber ich will ehrlich zu euch sein. Ich will, dass ihr hinter die Kulissen blicken könnt. Dass ihr versteht, dass das Ganze wunderschön ist, aber auch anstregend, unentspannt und ermüdend. Ich bin dankbar für all die tollen Erlebnisse und Dinge, für die Möglichkeiten und Abenteuer, aber ich freue mich auch einfach mal wieder langweilig sein zu können :)    

 

 

Random Facts:

Was gibt es schöneres als alte Freundschaften aufleben zu lassen und neue zu entdecken - Danke Wien!

Was würde passieren, wenn Jana und Masha sich zusammentun? Bemashad oder Masheidet? Klingt beides übel :D

Hörbuch der Woche: Die Einsamkeit der Primzahlen

Gekauft: eine Valentino, zwei Paar Kurt Geiger, ein Jumpsuit von Pull&Bear und jetzt bin ich wieder arm

Es wird bald eine Thame Week geben. Die Bilder sind bereits im Kasten

Vermisst: Einschlafen in den Armen meines Liebsten

Ohrwurm der Woche: Miss Li - Plastic Faces

 

Was euch kommende Woche erwartet:

Die Romwe Kollektion kommt raus! Und passend dazu gibt es ein Special auf meinem Blog!

Die London Beiträge stehen ja noch aus... :)

     

Kommentiere diesen Post

Elisa Zunder 09/24/2013 20:24

Hey Masha,
ich finde diesen Beitrag erfrischend ehrlich und ich würde gerne mehr von der Sorte lesen – auch wenn es wieder Kritik regnen wird. Manchmal kriegt man doch zuviel davon, wenn wieder einige viele Blogger beim selben Event waren und jeder Post dem anderen absolut gleicht und alles nur glitzert, was meistens mehr Schein als Sein ist. Dies habe ich selbst schon erlebt und war echt geschockt, das ist jedoch eine andere Geschichte! ;)

Meiner Meinung nach erkennt man in diesem Beitrag definitiv, dass du schon zu schätzen weißt welchen Lifestyle du leben kannst. Du hast dich einfach im Rausche aller Angebote etwas übernommen und wem geht es da manchmal nicht so? Wird das nicht pauschal als "Freizeitstress" bezeichnet? Und es ist doch positiv, dass du das für dich erkannt hast und ändern willst...

Einige der Kritiker hier verstehe ich jedoch auch – klar gibt es eindeutig Schlimmeres als dieses "Luxusproblemchen", aber ein Blog ist doch dazu da, die eigene Meinung zu äußern und davon zu berichten, was einem bewegt und auf dem Herzen liegt...oder? Fast alle der Leser beneiden Masha, weil sie zu vielen Events eingeladen wird, aber ist es da nicht gerade schön zu lesen, dass eben nicht alles so super ist!?

Und der Grundgedanke in diesem Artikel ist es doch, dass es tausendmal wichtigere Dinge gibt, als Party, Events, Blogger, Fashion und und und... Man sollte sich eben auf die wichtigen Dinge im Leben berufen: Familie, Freunde, Freiheit und Gesundheit!

Liebe Grüße
Elisa

Masha 09/24/2013 15:13

Ich weiss nicht was dein Problem ist Katja(?), aber ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft, nein, denn ich hab mehrere Stützbeine und wenn eins wegfällt, dann falle ich nicht automatisch um.

Wenn du denkst, dass dich dein Abschluss weiter bringt als Berufserfahrung und wenn du denkst, dass du Rente bekommst, dann halte ich dich für ziemlich naiv ;)

Katja 09/24/2013 14:45

Ich hätte eine Frage an dich. Hast du eigentlich keine Zukunftsangst? Du bist Mitte 20, hast noch keinen Cent in deine Rente eingezahlt. Wenn ich es richtig verstehe, liegt dein Studium auf Eis, sprich außer deinem Schulabschluss hast du nichts. Du betonst, dass du mit deinem jetzigen Bekanntheitsgrad lediglich mal unentgeltlich reisen kannst und dir Klamotten gesponsort werden. Wie lange gedenkst du diesen Lebenswandel fortzuführen? Oder hoffst du à la Elin Kling so groß rauszukommen, dass du für die Zukunft finanziell ausgesorgt hast? Wenn dem so ist, dann halte ich dich für ziemlich naiv.

Therese 09/23/2013 23:55

Ja, eben. Ich bin Auftragskünstlerin, male und fotografiere, um mein Studium zu finanzieren und Kommentare wie "Mal doch schnell 'n Bild, wenn du dir das und das nicht leisten kannst" sind nicht cool und unterschätzen extrem, wie viel Aufwand etwas Freischaffendes sein kann. ein 9-to-5-job mag auch anstrengend sein, aber irgendwann kann man dann den Kopf ausknipsen und dann ist eben Feierabend.

Masha 09/23/2013 23:08

Hahah ich meinte heute noch zu meinem Freund wie gut wir doch zusammenpassen, denn keine normale Beziehung würde so ein Arbeitspensum durchhalten wie wir beide es pflegen und deswegen ist es auch nicht wunderlich, dass wir irgendwann auch etwas besser verdienen. Aber wenn du all keine Kraft und Energie jahrelang in eine einzige Sache steckst, dann ist das einfach irgendwann so.

Danke für deine lieben Worte. ich vergesse selbst oft genug was ich eigentlich so gemeistert habe und sehe leider oft zu sehr alles was ich noch nicht erreicht habe bzw wo ich hinwill :)
Deine Worte eben haben mich echt aufgebaut! Danke <333